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Christian Kortüm

Christian KortümChristian Kortüm – ein Leben in Bildern.
Die Praktika B-1000 des Vaters lag immer im Glasschrank im Wohnzimmer. Wie sie ihn anfunkelte aus dem halb Verborgenen und eine aufregende Entdeckung der Welt versprach, hat sie Christian Kortüm schon mit sechs Jahren magisch angezogen. Der Vater liebte Technik, und er liebte seinen Sohn, Gott sei Dank. So ließ er den verträumen Jungen machen. Christian zog los, knipste Landschaften, Bäume, Felder, seine Schwester, seine Mutter, wie sie im Gras lagen. „Das war ein gutes Gefühl: Dass ich die Welt abbilden konnte, wie ich sie sah, in einem festen Rahmen. Und ich war total stolz.“

Es ist das gute Gefühl, dass sich Christian Kortüm bis heute erhalten hat, mehr als 40 Jahre lang. Über hunderte Fernsehfilme, ungezählte Reportagen und abertausende Fotos und trotzdem hat er sich die Leidenschaft für das Wesen des Bilder-Machens bewahrt. Viele Lebens- und Arbeitsstationen hat er auf dem Weg vom neugierigen Erstklässler, den die Kamera des Vaters elektrisierte, bis zum professionellen Kameramann und Fotografen durchschritten und durchlitten. Nach der Schule macht der technikbegeisterte 17-Jährige eine Ausbildung zum Mikroelektroniker. Danach arbeitet der Jungfacharbeiter im Forschungslabor der Rundfunk- und Fernmelde-Technik (RFT) in Leipzig. Er tüftelt in einem Erfinderlabor an einem Computer für eine neue Telefonvermittlungsstelle. Der Kasten steht heute in seinem Schrank. Als die Mauer fällt, versucht Christian Kortüm sein Glück im Westen und lernt Fotograf in der Nähe von Trier – weil er an die fast 2000 Jahre alte, römische Porta Nigra wollte und sich eben auch für Archäologie interessiert. So verrückt muss man erstmal sein. Aber es ist eine wilde Zeit. Plötzlich fotografiert der real existierende Ostdeutsche amerikanische GIs in ihren Basen in Bitburg, Ramstein, Stuttgart und sonstwo. Portraits anfertigen, für die US-Propaganda. Und neben dem Fotostudio, wo er bald darauf arbeitet, steht das Geburtshaus von Karl Marx. So lässt ihn die ostdeutsche Heimat in der fremd gebliebenen Eifel nicht los. Zuhause passiert so viel Neues. Und er hat das Gefühl, nicht dabei zu sein.

1994 kehrt er zurück, findet einen Job in einem Fachlabor in Halle – und wird plötzlich noch zur Bundeswehr eingezogen. Nach zehn Monaten ereilt ihn ein Telegramm der Mutter, das den Bilder-Menschen wieder in eine neue Umlaufbahn wirft. Es ist ein Stellenangebot der jungen Fernsehproduktionsfirma TeutoTele. Kortüm wird ihr Ton- und Kameraassistent, er hilft, für RTL zu produzieren. Da beginnt sein jetziges Leben. Mit einem kleinen, aufsehenerregend geschnittenen Wetter- und Wolkenfilmchen, heimlich produziert, wird er zum Cutter geadelt und bald in den Stand eines Kameramanns erhoben. Mittlerweile leitet er selbst die Fernsehfirma newsdoc3 und dreht Reportagen für große Fernseh-Magazine von Panorama über Stern TV und den MDR bis zu Spiegel TV, über die Bundeswehr, SOS-Kinderdörfer in Afrika und andere Formate.

Seine heimliche Liebe aber gilt bis heute der Fotografie. Doch anders als damals läuft er heute nicht mehr in die muffige Drogerie, wo er mit zitternden Händen die papierenen Abzüge seiner jugendhaften Eindrücke durchblättert. Heute kann er in seinem digitalen Computerlabor die Fotos zur Perfektion kreieren, die ihn im Moment der Aufnahme bewegt haben. Es sind Bilder von Menschen, die frei sind und die loslassen, wenn er abdrückt. Man sieht’s.

Ein Artikel von Sven Heitkamp.

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