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Oracle-Datenbanken auf VMware – das gallische Dorf wackelt!

Das Thema Oracle-Datenbanken in einer VMware-Umgebung führt seit vielen Jahren zu Missverständnissen am Markt. Obwohl die Produkte technisch einwandfrei zusammenpassen, gibt es mit Blick auf die Lizenzierung doch viele Unklarheiten bei den Kunden. Da Oracle-DB auf VMware aber zum Branchen-Standard gehört, kommt man um eine Lösung nicht herum. Wir raten zu einer gesunden Streitkultur, zumal die Bastion Oracle auch zu wackeln beginnt. Dieser Beitrag verdeutlicht die aktuelle lizenzrechtliche Situation und zeigt entsprechende Lösungsansätze im Einklang mit Oracle auf.

Ein Blogbeitrag von Marco Vogel, Global Director, Strategic Alliances

Wir schreiben das Jahr 19 n.V. (nach Gründung von VMware im Jahre 1998). Fast alle Workloads der bekannten x86 Welt haben sich VMware nicht nur ergeben, sondern fühlen sich pudelwohl in der neuen virtuellen Welt. Nur hinter den 7 Rechenzentren bei den 7 Administratoren wehrt sich ein gallisches Dorf namens Oracle … – so in etwa fangen wohl Gute-Nacht-Märchen an, wenn IT-Leute ihren Kindern abends Geschichten erzählen.

Wie in allen Geschichten der Gebrüder Vogel (ich habe tatsächlich einen Bruder) stecken da ein paar Körnchen Wahrheit drin. Der Hypervisor von VMware ist ein zuverlässiger Arbeiter, der technologisch fast alles an Workloads verkraftet: SAP, Exchange, Data Warehouse Systeme, große Datenbanken – in der Regel für vSphere kein Problem. Ich habe gerade noch einmal nachgeschaut und die Virtual Machine Maximums liegen bei 128 virtuellen CPUs, 6128 GB RAM und zehn supporteten Netzwerkkarten….Ich sage mal so, für mehr als 90 % der Anwendungsfälle sollte das technisch locker-locker ausreichen.

Oracle-Datenbanken haben eine gespaltene Beziehung zu VMware vSphere. Technisch menschelt es – tschuldigung ….maschinelt es – Oracle-Datenbanken fühlen sich wohl auf vSphere, man läuft performant, kann sich hochverfügbar machen (mit VMware HA und FT), kann sich leichter backupen und restoren. Ach ja und im produktiven Betrieb auf einen anderen Host zu migrieren, geht auch per Mausklick. Lizenzrechtlich ist der Betrieb von Oracle-Datenbanken auf VMware-Basis nicht ganz so einfach.

Das Dilemma: Der lizenzrechtliche Betrieb von Oracle-Datenbanken auf VMware-Basis

Kurze Lesepause und Wechsel zur Suchmaschine seiner Wahl zur Themeneinstimmung: Googeln oder bingen Sie mal nach Bildern zu den Begriffen „Oracle“ und „Parking“. Sie kommen fast unweigerlich zum Oracle-Parkhaus, wo dem Parkwilligen von Oracle mitgeteilt wird, dass er jeden möglichen Parkplatz bezahlen müsste, da er sich ja theoretisch für jeden entscheiden könnte. Übersetzt in das Thema: Lieber VMware- und Oracle-Anwender, Oracle lizenziert mehrheitlich nach Prozessoren. In einer VMware-Umgebung sollte der Kunde daher grundsätzlich alle lizenzierten vSphere-Nodes auch mit Oracle lizenzieren, da die virtuelle Oracle-VM theoretisch auf jedem Prozessor laufen könnte – zumindest geht dahin einiges Material von Oracle – Stichwort Oracle Partitioning Letter.

Seit Version vSphere 5.5 kann man Live-Migrationen auch über vCenter Grenzen hinweg ausführen. Heißt also theoretisch, dass dann auch die Nodes des oder der anderen vCenter Server lizenziert werden müssen. Klingt alles entweder teuer oder kompliziert. Will man nicht. Lässt man. In der Tat, viele Kunden beschäftigen sich mit dem Thema, weil die technologischen Vorteile auf der Hand liegen – aber am Schluss kapituliert man und lässt die Oracle-Datenbanken in der Physik. Was kann man also tun? Tatsächlich gibt es diverse Möglichkeiten.

Der Lösungsansatz: Oracle einbeziehen und korrektes Lizenzierungsverhalten nachweisen

Am besten ist natürlich der Weg, der Oracle mit involviert: So kann man sich eine bestehende Umgebung von Oracle lizenztechnisch abnehmen lassen, ist dann aber sehr eingeschränkt, weil man die Umgebung nur sehr bescheiden verändern darf. Bei anstehenden neuen Oracle-Lizenzverträgen kann man sich bestimmte Punkte auch schriftlich im Vertrag festhalten lassen. Aber auch hier kommen die eigentlichen Vorteile von VMware-Virtualisierung nur eingeschränkt zum Tragen.

Unter Umständen kann sich das trotzdem lohnen. Sollte sich Oracle später für die Ihrer Meinung nach korrekte Lizenzierung Ihrer Datenbanken auf VMware interessieren, dann muss man als Kunde nachweisen, dass man sich korrekt verhalten hat. Ist so ein bisschen wie bei der Steuerprüfung. Wenn da eine „nette“ Nachfrage von der Behörde kommt, ist man gut beraten, Dokumente zur Hand zu haben. Was sollte man da in der Schublade haben?  Laut Oracle-Vertragswerk – und das ist rechtlich bindend – bezeichnet ein lizenzierbarer Prozessor „alle Prozessoren, auf denen Oracle Programme installiert sind und/ oder ablaufen“. Heißt also als Netto-Botschaft: Da wo Oracle läuft, muss man die Prozessoren zählen und lizenzieren – aber nicht notwendigerweise wo Oracle laufen könnte.

Wie kann man sich als Kunde wappnen: Sprechen Sie mit dem Oracle und VMware Partner Ihres Vertrauens. Je nach verwendeter VMware-Version verlangt Oracle auf jeden Fall einen getrennten Cluster für die Oracle-Umgebung, ein eigenes vCenter oder auch eineindeutige Trennungen per vLAN und unter Umständen eine Abnahme von Oracle LMS. Im Betrieb heißt das eigenes vCenter, eigene LUNs und – ganz wichtig – Aufzeichnungen über das „Laufverhalten“ der Oracle VMs. Das können und sollten natürlich Aufzeichnungen über das Regelwerk für Oracle VMs sein (z. B. Auto Affinity Rules für lizenzierte ESX Hosts), aber vor allem auch Log-Files. Aus Projekterfahrungen wissen wir:  Auf 25 TB ungefilterte Logfiles reagiert Oracle nicht unbedingt mit Freudbekundungen. Daher sollte das Material schon für die Zielgruppe Oracle ausgerichtet sein. vCenter Reports wären eine Möglichkeit, wir empfehlen aber spezifischere aus der VMware vRealize oder LogInsight Konsole.

Erfahrungswerte aus bisherigen Kundenprojekten als Oracle und VMware Compliance-Partner, bei denen wir unsere Kunden begleitet haben, zeigen ein gutes Ende der eingangs begonnenen Geschichte: In der Gesamtkosten- und Gesamtrisiko-Betrachtung lohnt sich der Weg – sowohl technisch als auch kostenseitig.

PS: Wem die OnPremise-Variante – also der Oracle-Betrieb im eigenen Rechenzentrum auf VMware-Basis – lizenztechnisch doch zu wagnisreich ist, dem bleibt übrigens immer noch der Weg in die Cloud. Zumindest die beiden großen IaaS-Cloudanbieter – laut dem druckfrischen neuen GartnerQuadranten wie eigentlich immer AWS und Microsoft Azure – werden seitens Oracle als „trusted“ gesehen: Hier kann man die Oracle-Lizenzen mitbringen. Mal sehen, ob die neue Cloud-Initiative von Oracle daran etwas ändert.

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Artikel vom:
29.06.2017

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TAGS:
Lizenzierung, Oracle, VMware

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