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„Bring your own licenses“ – Wer in die Cloud geht, zahlt zwei Mal?

Wenn es um die professionelle Nutzung von Cloud-IaaS-Angeboten geht, haben viele deutsche Nutzer noch Bedenken. Lohnt sich das überhaupt für mich? Und wie compliant sind Lizenzen in der Cloud? Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in die bunte Welt der Hersteller-IaaS-Anbieter und ihren Umgang mit fremden Lizenzen.

Ein Beitrag von Marco Vogel, Senior Manager Global Alliances für VMware.

Gartner hat im Mai eine aktualisierte Version seines „Magic Quadrant for Cloud Infrastructures as a Service, Worldwide“ herausgebracht. Cloud IaaS, das sind die Anbieter, die klassische Rechenzentrums-Power aus der Cloud anbieten, im besten Falle natürlich auch hochautomatisiert und dadurch hochreaktiv. Die Software oder Platform-as-a-service Angebote der Anbieter – falls vorhanden – wurden hier nicht berücksichtigt.

Die Player in den Quadranten sind zum großen Teil Bekannte. Wobei hier natürlich zwischen Hersteller-Anbietern und „Full Service Providern“ unterschieden werden muss. So ist z. B. VMware mit seinem vCloud Air Angebot bereits recht gut im Visionary-Teil positioniert.

„VMware bildet bei vielen Hosting-Angeboten die wesentliche Basis“

Klingt erstmal so nicht schlecht, aber der Abstand zum derzeitigen Branchenprimus Amazon mit AWS oder auch Microsoft mit ihrem Azure Portfolio ist natürlich groß. Ist aber eigentlich nur die halbe Wahrheit. Warum? Viele der führenden Service Provider nutzen die Technologien der verschiedenen Hersteller als Grundlage für ihre Hosting-Angebote.

So sind Century Link (inkl. Savvis) oder CSC-Hosting-Angebote gänzlich VMware dominiert, andere wie Dimension Data, Interoute, Rackspace, Verizon/Terremark setzen auf mehrere Hypervisor, wobei VMware einen gewichtigen Part einnimmt. Zieht man das als Kalkül, sieht das Bild schon deutlich anders aus.

„Privat ist der technikbewusste Deutsche deutlich progressiver unterwegs“

In Deutschland wird das „wahrgenommen“, um es mal diplomatisch zu formulieren. Die Hersteller-Technologien sind bekannt, die Namen der weltweiten Hoster teilweise deutlich weniger… Über die Zurückhaltung der Deutschen, was offizielle Cloud-IaaS-Angebote angeht, wurde schon vieles gesagt und darauf will ich nicht weiter eingehen. Privat ist der technikbewusste Deutsche deutlich progressiver unterwegs. So laufen die Dienste von Apples iCloud oder WhatsApp auf den Systemen der oben aufgeführten Anbieter. Und dass Edward Snowden von Dropbox abrät und der Nutzungsgrad sich kaum verändert, ist auch hinlänglich bekannt.

Aber mal Hand aufs Herz. Lohnt sich der Gang in die Iaas-Cloud?

Ultimative Berater-Antwort, die Sie auch von uns bekommen: Kommt drauf an! Für bestimmte Szenarien mit Sicherheit. Hardware- und Stromkosten sparen, Kapazität auf Knopfdruck für Entwickler oder bestimmte Aktionen – alles Pro-Argumente. Wo wir aber durchaus Diskussionsbedarf in Projekten wahrgenommen haben, ist in der herstellerübergreifenden Lizenzberatung. Die Hersteller-IaaS-Anbieter können Lizenzaussagen für ihre Lösungen treffen. Zu der Lizenzierung der anderen Hersteller in Ihrer Cloud kommt oft nur der lapidare Hinweis: Bringen Sie Ihre Lizenzen mit! Die vorsichtigen Vertreter verweisen dann noch auf das Know-how des Partners.

Fakt ist: Lizenzierung in der Cloud ist anders als im Rechenzentrum. Zudem gibt es Unterschiede – je nachdem, ob man sich eine dedizierte Cloud oder geteilte Cloud mietet. Viele kleinere Hersteller haben ihre Lizenzprogramme noch gar nicht angepasst – genau wie damals bei der aufkommenden Virtualisierung hängen sie noch (Licht-)Jahre hinterher. Und zum Schluss: Vorsicht bei „Bringen Sie Ihre Lizenzen einfach mit!“

Bevor sie also in die Cloud gehen – und das kann die von VMware, IBM genauso wie von Amazon sein – heißt es, die eigenen Hersteller-Verträge zu prüfen.

  1. Microsoft: So ist die Lizenzmitnahme von Windows-Betriebssystemen und Core-Applikationen bei Dedicated Cloud-Angeboten erlaubt – man spricht hier vom Beistellen der Lizenzen. Bei Shared-Environments sieht die Sache allerdings anders aus: Die Betriebssysteme muss der Hoster über z. B. SPLA-/ oder Azure Verträge regeln – d. h. wenn man die Server als Kunde wieder ins heimische Rechenzentrum holen will, müssen sie unter Umständen doppelt zahlen. Die Core-Applikationen wie z. B. Exchange müssen seit der 2010 Edition mit Software Assurance ausgestattet sein, um in einer Shared-Environment genutzt zu werden, ansonsten – incompliant! Und Desktop-as-a-Service mit Windows 8 Lizenzen in einer Shared Cloud – vergessen Sie es! Interessanterweise pushen die Iaas-Anbieter natürlich ihre Shared-Angebote, d. h. diese sind auf den ersten Blick preislich attraktiver. Wenn man die Lizenzmehrkosten der anderen Hersteller ins Kalkül zieht, kann sich dies in der Gesamtbetrachtung schnell ändern.
  2. Adobe: Adobe war mit seinem VIP Programm ein Vorreiter für den Switch von Kauf- zu Mietlizenzen und deklariert das Ganze als Cloud – installiert wird eigentlich weiterhin auf dem Endgerät des Users – die Installation spricht aber mit Adobe. Was aber, wenn man sich entscheidet, die Installation auf einem virtuellen Desktop im firmeneigenen Rechenzentrum (z. B. Powered by VMware Horizon oder XenDesktop) oder noch schlimmer – auf einem Desktop im VMware Rechenzentrum installiert? Die offizielle Antwort von Adobe ist relativ ernüchternd – zumindest beim neuen VIP Programm: Im Moment ist ein Betrieb über Terminal-Server nicht zertifiziert bzw. unterstützt, bei virtuellen Desktops a la VMware View oder Xen Desktop mit dedizierten User-Desktops dagegen schon. Sollte man vorher wissen und daher rechtzeitig eine Lösung finden.
  3. Oracle: Eine Lizenzierung von Oracle auf einer VMware Basis ist herausfordernd. Oracle betrachtet Virtualisierung (abgesehen von Ihrer eigenen Lösung) immer noch als Software Partitionierung und verlangt die Lizenzierung von allen CPUs, auf denen die Oracle Workload theoretisch laufen könnte – bei automatischem Lastausgleich ohne Affinity Rules kann das schnell ins Geld gehen – und selbst mit ihnen meldet Oracle Diskussionsbedarf an. Zumindest gestattet Oracle, die Lizenzen mit in die IaaS-Cloud zu nehmen, jedoch gilt der Merksatz: Wenn man Oracle in authorisierten Cloud-Umgebungen korrekt lizenzieren möchte, muss man alle virtuellen Prozessorkerne als Äquivalent zu den physikalischen Kernen setzen und je nach Edition sauber lizenzieren.Software-Asset-Management-Abteilung kennengelernt.

Das sind nur 3 Vendoren-Beispiele und die Reihe lässt sich durchaus erweitern. Auch hier die Empfehlung: Holen Sie sich für Ihre Gänge in die Cloud eine starken Partner an die Seite, der Sie nicht nur bei der Auswahl und Migration der für Sie richtigen Cloud-Konstellation unterstützt, sondern auch darauf achtet, dass Ihr Lizenzierungsstatus nicht nur „compliant“, sondern auch kostenoptimiert ist. COMPAREX ist hier eine sehr gute Empfehlung. Ich selbst habe bei den ersten VMware-Cloud-Projekten gelernt, dass der zweite Faktor schnell Kostenrechnungen beeinflusst und gleichzeitig viele neue kompetente Kollegen aus unserer Software-Asset-Management-Abteilung kennengelernt.

Kleiner Tipp am Rande: Wenn Sie meine Kollegen, die sich mit sowas richtig gut auskennen (ich glaube ja weiterhin daran, dass die Cloud technologisch gut für unsere Kunden ist) direkt kennenlernen wollen, besuchen Sie unsere LICEN§A Veranstaltung in München. Die erste Veranstaltung lief Mitte Juni in Frankfurt mit mehr als 100 Kunden.

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Artikel vom:
22.06.2015

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TAGS:
Cloud Computing, IaaS, Lizenzierung

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