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Yes, vSAN!

Yes, vSAN! Klingt so ein bisschen wie „Yes, we can“! Den Slogan hat Barack Obama immerhin Bob dem Baumeister geklaut. Und gewonnen. Klappt das auch bei vSAN von VMware?

Ein Beitrag von Marco Vogel, Senior Manager Global Alliances für VMware

Inhaltsübersicht

Zunächst Entschuldigung für die Titelwahl. Die Mittagstischdiskussion ging heute um den Fakt, dass man hofft, alleine mit dem Lesen der Überschriften von Spiegel-Online das allmorgendliche „Zeit“-Quiz im Mittelfeld zu überstehen – notfalls sollte es auch für Jauch reichen. Anschließend habe ich mit diesem Blogbeitrag begonnen. Was habe ich gelernt? Alles in den Titel packen, mehr nehmen die Leser ohnehin nicht zur Kenntnis. Das ist der Versuch. Jetzt muss ich nur noch Eltern, die bei Google „Bob der Baumeister“ eingegeben haben, überzeugen, weiterzulesen. Wird schwer. Wir „Leute“ aus der IT haben ja schon eine Community-Sprache entwickelt, bei der auch die IT-fremde, eigene Familie nicht mehr mitkommt.

VMware auf dem Weg zu neuen Ufern

Aber zur Sache. Server Virtualisierung ist tot. Es lebe dieselbe! Die Analysten sind sich einig, 75% der x86 Server sind virtualisiert, hier wird die Luft dünn. VMware als Marktführer und Virtualisierungsspezialist sucht hier natürlich nach Mitteln, Wegen und Lösungen, um den Kunden tiefer zu durchdringen. Da helfen nur Ausbrüche in Bereiche, wo eigentlich andere arrivierte Anbieter den Platz an der Sonne beanspruchen – Storage, Management, Mobility (hier hat man mit Airwatch einfach den Marktführer gekauft), aber auch VDI und Networking.

Der kleinste gemeinsame Nenner der Lösungen: Es ist alles software-definiert – das Rechenzentrum wird zum Software-Defined Data Center (O-Ton VMware). Platt gesagt: Dummes Blech vom Discounter, die Intelligenz wird mittels Software geliefert, macht unabhängig von Hardware-Lieferanten und hat bei Server-Virtualisierung geklappt. Jetzt also Software-Defined Storage (SDS) als neue Mainstreamwelle?

Wie sieht’s bisher im Storage-Markt aus? Die Branchengrößen mit ihren NAS/SANs etc. lassen überspitzt gesagt, sind wir doch mal ehrlich, zum größten Teil in einer gemeinsamen Schrauberbude beim Asiaten ihrer Wahl (nicht abwertend gemeint, eher ein Qualitätsbegriff) fertigen, „pappen“ den Namen auf die Blende und liefern die Storage-Intelligenz auf Ihren Controllern. Eigentlich auch software-defined, aber eben als Appliance gebundelt. Warum? Manche Kunden wollen das so. Andererseits ist der Handel mit Appliances zum Teil für den Hersteller deutlich lukrativer. Einzelne dieser Anbieter offerieren auch Controller, die man vor handelsübliche Storage-Arrays anderer Hersteller stellen und diese verwalten kann.

Pure Software-Lösungen gibt es auch, wobei eine Industriedefinition von SDS noch fehlt. Da gibt es also Interpretationsspielraum, die Vergleichbarkeit leidet. Wir gehen mal in die Richtung, dass wir für Storage das Gleiche haben wollen wie für Server-Virtualisierung: Abstraktion der Hardware-Schicht, optimale Auslastung der Ressourcen, Storage-On-Demand, aber eben auch Storage-Klassiker wie De-Duplizierung, Snapshots oder Replizierung, optimaler Weise natürlich noch Beschleunigung der Lese-/Schreib-Vorgänge durch das Pooling von allem was speichern kann (Hard Disks, RAM, Flash Speicher etc.). Dazu kommt im besten Fall noch ein User Self Service und, wer ganz gut ist, gleich noch ein Verrechnungsmodell. Ach ja, und Kosten gegenüber „herkömmlichen“ Lösungen will man auch noch sparen. Und dabei klingt die Werbung (pardon Data Sheets) unisono eindeutig: Alle versprechen die SANs der Zukunft ohne die gewohnte Komplexität eines SANs.

Beispiele wie Datacore, StarWind, Microsoft oder VMware – aber auch HP, IBM und EMC, im Flash-Umfeld auch mal Pernix – gibt es viele. Cloud-basierte Lösungen sind eh schon alle SDS-Solutions, teilweise durch Hardwarekomponenten bzw. Appliances zusätzlich beschleunigt. Was haben die meisten gemeinsam? Ist meistens kompliziert. Nicht die Antwort, sondern die Storage-Lösung. Man braucht Storage-Administratoren, die man aus- und weiterbilden muss und deren Arbeit Ressourcen verschlingen. Vor ein paar Jahren war bei der Server-Virtualisierung nicht das Anfreunden mit dem Hypervisor das Problem im Mittelstand, sondern das Anschaffen eines SAN mit all seinen Konsequenzen. Jetzt also der Storage-Hypervisor, komplett hardware-unabhängig, Industriestandard genügt.

Die vollintegrierte Lösung von VMware

VMware fährt hier mit Pooling der serverseitigen Speicherressourcen einen interessanten Ansatz – und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Das ganze vollintegriert in das VMware Flaggschiff vSphere (seit Version 5.5), quasi per Mausklick aktivierbar – keine virtualisierten Storage-Appliances wie bei anderen, also kein Extra Storage Hypervisor, sondern Integration in den allgemeinen VMware-Hypervisor. Man darf gespannt sein, was da zukünftig noch reinwächst. Server bzw. deren Speichermedien willst du in ein virtuelles SAN überführen? 1, 3, 5 und 6. Fertig! Up and running! Klingt simpel. Laut unseren Consultants ist es das auch. Flash cached, Magnetdatenträger speichern, keine zusätzlichen Storage-Arrays vonnöten – die Server allerdings werden wieder voll ausgestattet.

Die Verwaltung erfolgt über den vSphere Web Client, kennt der VMware-Admin schon, braucht wenig Einarbeitung. Dort können Storage-Richtlinien erstellt und verteilt werden, der LUN-Begriff wird nach dem Willen von VMware aus dem Sprachgebrauch eines Admins verbannt. Läuft der virtuelle Storage-Pool voll, einfach Datenträger in bestehende Server oder komplett ausgestattete ESX-Hosts in die Farm einbinden – fertig. Skalierung leicht gemacht. Performant ist es übrigens auch.

Klingt gut. Ist es auch für diverse Anwendungsfälle. Herausforderungen gibt es natürlich. Daten müssen zwischen den Hosts bewegt werden, unter 10 GBit läuft das nicht performant. Die maximale Anzahl von ESX Hosts in einem Storage-Cluster ist limitiert.

Die Anwendungsbereiche lagen bisher vor allem im Bereich von virtuellen Desktop-Infrastrukturen, wobei hier mit SSD-Platten nicht gegeizt werden sollte. Im Bereich der (produktiven) Server und damit der wesentlich höheren SLAs tut man sich aber verständlicherweise etwas schwerer. Kunden setzen auf Erfahrung, bei Storage und Daten sogar auf langjährige Erfahrung mit vielen Referenzen. vSAN gibt es zwar jetzt in der Version 6 (passend zu vSphere 6), davor gab es jedoch nur eine andere Version. Viel zum Zurückblicken und Erfahrungswerte gibt es natürlich nicht. Außerdem setzt das Ganze natürlich vSphere voraus und lediglich die Daten von virtuellen Maschinen (Server oder Desktop) können hier abgelegt werden. In Kundengroßumgebungen wird es noch ein bisschen schwieriger, Kundenreferenzen zu finden.

VMware Virtual SAN Überblick

In a nutshell

„In einer Nussschale“, wie der Amerikaner sagt: Funktionierendes Konzept mit vielen Einsatzmöglichkeiten, aber einige Limitierungen und die Langzeitwirkungen sind noch nicht umfänglich bekannt. Unser Tipp: Unbedingt anschauen. Starten Sie im Live-Betrieb mit den weniger kritischen Daten Ihrer Server bzw. nutzen Sie vSAN für VDI-Umgebungen oder auch als Disaster Recovery Option. Deutlich günstiger, einfacher zu installieren und zu beherrschen – hier kann man seine eigenen Erfahrungen mit der Lösung sammeln. vSAN wird in absehbarer Zeit die klassischen Storage-Anbieter nicht verdrängen, ich bin aber davon überzeugt, dass zumindest ein Teil der Kundendaten schon in den nächsten Monaten ihren Weg auf vSAN schaffen werden.

  • Testlizenzen sind bei uns erhältlich (Silvio König oder Sven Rosenheinrich, Software Inside Sales), unser Consulting unterstützt gern bei der Installation.
  • Kleiner Tipp: Vom 17. bis zum 20. Oktober 2016 findet die VMworld Europe in Barcelona statt. Sollten sie dabei sein, informieren sie doch Ihre COMPAREX-Ansprechpartner –  wir werden vor Ort sein.

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Artikel vom:
08.09.2015

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Software

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