COMPAREX AG
Microsoft Cloud Deutschland: Die neue Strategie und was sie für Kunden bedeutet (Header)

Microsoft Cloud Deutschland: Die neue Strategie und was sie für Kunden bedeutet

Bereits seit 2015 stellt Microsoft ein für die speziellen Anforderungen deutscher Kunden konzipiertes Cloud-Services-Angebot zur Verfügung: Die „Microsoft Cloud Deutschland“. Im März 2018 kündigte Microsoft an, das weltweit verfügbare Cloud-Service-Angebot auch in deutschen Rechenzentren verfügbar zu machen. Am 31. August 2018 veröffentlichte Microsoft dann weitere Details zu diesem neuen Angebot, welches im Grunde das globale Angebot an Rechenzentren um die Region Deutschland erweitert. Für alle überraschend wurde aber zeitgleich angekündigt, die Microsoft Cloud Deutschland weiterhin auf dem aktuellen Stand zu betreiben, aber keinem neuen Kunden zur Verfügung zu stellen.

Doch was bedeutet diese neue Strategie für deutsche Kunden? Wird die deutsche Cloud damit eingestellt oder besteht sie einfach nur in anderer Form fort?

Ein Blogbeitrag von Sabrina Rohenroth, Team Manager Specialised Sales Microsoft

Souverän – Regional – Public: Microsofts Cloud-Typen im Vergleich

Microsoft gehört zu den größten Rechenzentren-Betreibern weltweit. Mit seinem weltumspannenden Verbund an Rechenzentren werden Cloud-Dienste in über 100 Rechenzentren zur Verfügung gestellt. Diese orientieren sich an den Unternehmensvorgaben sowie den compliance-technischen und globalen Anforderungen der Kunden und werden stetig weiterentwickelt.

Darüber hinaus beschränkt sich Microsoft nicht nur auf den reinen Betrieb dieser Rechenzentren, sondern betreibt ein eigenes weltumspannendes Leitungsnetzwerk. Dieses Glasfaser-Netzwerk verbindet die einzelnen Rechenzentren miteinander, so dass für diese Anbindung nicht auf öffentliche Leitungen zurückgegriffen werden muss.

Abb. 1: Das weltumspannende Leitungsnetzwerk von Microsoft verbindet die Rechenzentren miteinander. (Quelle: Microsoft) 
Abb. 1: Das weltumspannende Leitungsnetzwerk von Microsoft verbindet die Rechenzentren miteinander. (Quelle: Microsoft)

Dieses Public-Cloud-Netzwerk ist auch einer der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen den verschiedenen Cloud-Typen von Microsoft. Grundsätzlich entscheidet Microsoft zwischen drei Cloud-Arten: der souveränen, der regionalen und der Public Cloud.

Die Public Cloud stellt dabei die weltweite öffentliche Cloud von Microsoft dar. Dabei sind die weltweit verteilten Rechenzentren über das Public-Cloud-Netzwerk miteinander verbunden. Alle Cloud-Dienste stehen vollumfänglich zur Verfügung und dort abgelegte Daten könnten, falls gewünscht, weltweit gespiegelt werden, was besonders für international agierende Unternehmen hinsichtlich Latenzzeiten einen Vorteil darstellt. Die Public Cloud wird dabei in verschiedene Regionen mit mindestens zwei Rechenzentren unterteilt, die ein Kunde zur Datenspeicherung wählen kann. Für Deutschland sind dies in der Regel Dublin und Amsterdam – weshalb die Public Cloud hierzulande auch als europäische Cloud bezeichnet wird.

Die regionale Cloud stellt im Grunde eine Erweiterung der Public Cloud dar – sie ist also keine eigene, abgeschlossene Cloud, wie der Name vielleicht vermuten lassen würde. Stattdessen bezeichnet der Begriff regionale Cloud die Verfügbarkeit von Rechenzentren im Land des Kunden. Im Falle des Angebots in Deutschland werden die Rechenzentren in Berlin und Frankfurt errichtet. Somit erfolgt die Datenspeicherung innerhalb Deutschlands, die Rechenzentren sind aber weiterhin an das Public-Cloud-Netzwerk angebunden, wodurch alle Funktionen und Dienste vollumfänglich zur Verfügung stehen.

Eine abgeschlossene, „eigene“ Cloud stellt dagegen die so genannte souveräne Cloud dar. Die Rechenzentren einer souveränen Cloud sind dabei nicht mit dem Public-Cloud-Netzwerk verbunden. Die Kommunikation dieser Rechenzentren erfolgt dagegen über ein eigenständiges Netzwerk, welches von Microsofts globaler Cloud-Infrastruktur getrennt ist. Im Falle der Microsoft Cloud Deutschland, die eine souveräne Cloud darstellt, wurde diese georedundante Speicherung von Kundendaten in Deutschland noch durch ein Treuhändermodell ergänzt. Die Isolation einer souveränen Cloud führt jedoch auch zu Einschränkungen hinsichtlich Verfügbarkeit, Flexibilität und Durchlässigkeit. So sind beispielsweise bestimmte Azure Services, die weltweite Rechenpower benötigen, in der Microsoft Cloud Deutschland nicht verfügbar. Hierzu zählen beispielsweise Services aus dem Bereich KI und Machine Learning. Und auch die Funktionen rund um Office 365 unterliegen Einschränkungen So können im Falle der Microsoft Cloud Deutschland beispielsweise Teams, die Multi-Faktor-Authentifizierung oder die neuen Telefonie-Funktionen nicht genutzt werden. Da sich die Cloud-Nutzung in der Regel schrittweise aufbaut und damit immer neue Funktionalitäten benötigt werden, stellen diese funktionalen Einschränkungen einen Nachteil der souveränen Cloud dar.

Abb. 2: So funktioniert die regionale Cloud (Quelle: COMPAREX)

Abb. 2: So funktioniert die regionale Cloud (Quelle: COMPAREX)

Die neue Strategie für Microsoft Cloud-Angebote in Deutschland

Mit der Pressemitteilung im März 2018 kündigte Microsoft im Grunde eine regionale Cloud für Deutschland an. Wie oben beschrieben, wird also das globale Angebot an Rechenzentren um eine Region in Deutschland erweitert – genauer um Rechenzenten in Berlin und Frankfurt. Da diese regionale Cloud im Vergleich zur souveränen Cloud nicht isoliert ist, entfallen auch die Einschränkungen hinsichtlich Flexibilität und Durchgängigkeit, die die souveräne Microsoft Cloud Deutschland mit sich brachte, und die den heutigen, veränderten Kundenanforderungen nicht entsprechen.

Das Cloud-Angebot in den neuen, deutschen Regionen entspricht daher exakt dem weltweiten Cloud-Angebot von Microsoft und soll bereits ab 2019 zur Verfügung stehen. So soll Anfang des vierten Quartals 2019 Microsoft Azure, im ersten Quartal 2020 der Cloud-Dienst Office 365 und anschließend Dynamics 365 bereitgestellt werden. 

Gleichzeitig steht die Microsoft Cloud Deutschland Neukunden als Option nicht mehr zur Verfügung zu stellen.

Was bedeuten diese Änderungen für Kunden?

Neukunden stehen die Cloud-Angebote von Microsoft schon jetzt mit Rechenzentren innerhalb der europäischen Union – Dublin und Amsterdam – zur Verfügung. Ab Ende 2019 erhalten Kunden die zusätzliche Option, sich für die Speicherung der Daten in den neuen Rechenzentren in Deutschland zu entscheiden.

Durch die Möglichkeit einer hybriden Vertragsgestaltung und Nutzung bei Microsoft ist es aber auch schon jetzt möglich, die Mehrwerte der Microsoft Cloud-Dienste mit einer Speicherung der Daten in Deutschland zu kombinieren – auch wenn diese Speicherung bis 2019 noch auf eigenen Servern im eigenen Unternehmen erfolgen muss. Eine solche hybride Lösung wird auch durch das Microsoft Lizenzrecht, beispielsweise das Dual Access Right (CAL-äquivalente Zugriffsrechte) oder den Azure Hybrid Benefit unterstützt.

Zudem ist Microsoft aktuell der Cloud-Anbieter mit den meisten Zertifizierungen und DSGVO-compliant. Dies stellt Microsoft auch auf seiner Webseite dar: “Wir bekennen uns zudem zur Einhaltung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für unsere Cloud-Dienste und haben entsprechende Regelungen in unsere vertraglichen Verpflichtungen aufgenommen” (Quelle: Microsoft News Center). Für viele Kunden in Deutschland besteht somit gar kein Bedarf mehr an einer souveränen Cloud mit Datentreuhändermodell.

Bestandskunden, die bereits Dienste in der Microsoft Cloud Deutschland nutzen, können die derzeit verfügbaren Cloud-Dienste nach wie vor in Anspruch nehmen. Für diese Dienste werden auch künftig alle erforderlichen Sicherheitsupdates ausgeliefert. Allerdings wird das Angebot in der Microsoft Cloud Deutschland zukünftig auch nicht erweitert, neue Dienste also nicht mehr zur Verfügung gestellt.

Für Bestandskunden besteht also zunächst kein akuter Handlungsbedarf. Weiterführende Informationen zu einer möglichen Migration auf andere Angebote hat Microsoft für Anfang 2019 angekündigt.

Fazit

Mit der neuen Strategie von Microsoft für Cloud-Angebote in Deutschland steht deutschen Kunden ab 2019 also auch weiterhin ein Angebot zur Verfügung, das die Funktionen von Cloud-Diensten und die Speicherung von Daten in Deutschland kombiniert. Die deutsche Microsoft Cloud ist damit also nicht Geschichte, sondern verändert sich von einem souveränen zu einem regionalen Angebot mit dem Mehrwert des Zugriffs auf alle weltweiten Microsoft Cloud-Services in Kombination mit der Datenhaltung in deutschen Microsoft Cloud-Rechenzentren.

Dennoch ist eine regionale Cloud mit einer souveränen Cloud natürlich nur bedingt vergleichbar. Und auch eine Migration von einer souveränen Cloud, die ja über keinerlei Anbindung zum Public-Cloud-Netzwerk verfügt, ist sicher nicht ganz trivial. Man darf also gespannt sein auf weitere Informationen rund um das neue Angebot für deutsche Kunden. Erste Informationen zur Migration wurden seitens Microsoft ja zumindest schon für Beginn 2019 angekündigt.

Sie wünschen sich nähere Informationen zum Modern Workplace mit der Microsoft Cloud?

Erfahren Sie, was der Modern Workplace bietet, wie Sie ihn implementieren können und wie er für Ihre Entlastung sorgt.

Alle Informationen zum Modern Workplace

Diesen Artikel teilen

Artikel vom:
06.09.2018

geschrieben von:

TAGS:
Microsoft Cloud Deutschland

Thema:

Kommentieren sie diesen Artikel...

© COMPAREX AG
Zurück nach oben