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Windows 10: Wer wechseln will, muss dringend seine Prozesse anpassen!

Windows 7 nähert sich mit großen Schritten Richtung Support-Ende. Aus diesem Grund stehen aktuell viele Unternehmen vor der Aufgabe, auf Windows 10 zu migrieren. Aber Achtung: Mit dem Konzept „Windows as a Service“ wird das Deployment und die Wartung zu einem kontinuierlichen Prozess. Das bedeutet Umdenken und benötigt ausreichend Vorbereitung.

Ein Blogbeitrag von Simon Mangeng, IT Consultant, Team "Microsoft Modern Workplace and Datacenter"

Was bedeutet Windows as a Service?

Mit Windows 10 und dem Konzept von Windows as a Service (WaaS) ändert sich vor allem das Release und Update Management von Windows grundlegend. Das bedeutet, dass Windows 10 die letzte Version des Betriebssystems sein wird - so Microsoft. Neue Funktionen und Sicherheitsfeatures werden bei Windows 10 via Feature Updates hinzugefügt. Sicherheitsrelevante Updates werden wie gewohnt monatlich bereitgestellt. Diese sogenannten Quality Updates sind im Vergleich zu bisherigen Windows Versionen wie XP oder 7 kumulativ, was diverse unterschiedliche Patchstände verhindert und somit die Fehlersuche erleichtert.
Um einen guten Überblick zu bekommen, empfehle ich dieses 5-minütige Video:


Windows as a Service: Was Sie über Software Update Management in Windows 10 wissen sollten

Um trotzdem eine Orientierung zu behalten, um welchen „Update-Stand“ es sich bei Windows 10 handelt, zählt Microsoft intern weiterhin eine Versionsnummer mit. Sie setzt sich zusammen aus der Jahreszahl plus Erscheinungsmonat des Releases. Diese Versionsnummern sind in der folgenden Abbildung, einem Releaseplan für Windows 10, zu erkennen.
 

Windows 10: Abbildung 1 Windows as a Service
Abbildung 1: Windows 10 Update-Plan (Quelle: Microsoft)

Den aufmerksamen Beobachtern fällt auf, dass die Release-Frequenz von neuen Versionen deutlich kürzer ist als in der Vergangenheit. Stand heute (Februar 2018) ist zwei Mal pro Jahr ein Feature Update geplant, im Frühjahr und im Herbst. Man spricht daher von einem Semi-Annual Channel [1]. Sie sind somit mit einer neuen Windows Version vergleichbar. Der Support pro Feature Update ist für 18 Monate gegeben.

Hintergrund für den verkürzten Release-Zyklus ist in erster Linie die Notwendigkeit, schneller auf aktuelle Sicherheitsgefahren reagieren zu können. Ein großer Fokus der Features liegt neben neuen Edge-, Management- und Verteilungsfunktionen auf der (Weiter-)Entwicklung von Sicherheitsfunktionen. Darüber hinaus kann Kundenfeedback schneller umgesetzt und neue Funktionen eingearbeitet werden.

Diese Art der agilen Softwareentwicklung ermöglicht es, bei korrekter Umsetzung, dass in Unternehmen große Migrationsprojekte (in der Vergangenheit ca. alle 3-5 Jahre notwendig) hinfällig werden und stattdessen die Migrationstätigkeiten in den Betrieb verlagert werden. Dafür ist jedoch eine akribische Planung der Prozesse und Verantwortlichkeiten notwendig.

Traditionelles Wasserfallmodell vs. agile Softwareentwicklung

Der traditionelle Release-Ansatz bei Windows Deployments verfolgte in der Regel ein Wasserfallmodell als lineares Vorgehen (siehe Abbildung 2). Zu Beginn stand eine neue Windows Version wie z. B. Windows 7. Nach einer Evaluationsphase wurde ein Client-Konzept erstellt, welches das Design inkl. Gruppenrichtlinienkonfigurationen vorgab. Im Anschluss wurden die Client Images erstellt und Task Sequenzen erzeugt. Mittels Pilotnutzern wurden umfangreiche Tests in einer Pilotphase durchgeführt und eventuelle Korrekturen vorgenommen, um im Anschluss mit dem Rollout zu starten. In diesem Modell folgt eine Phase stets der nächsten. Es sind darüber hinaus immer klare Projekt Anfangs-und Endpunkte definiert.
 

Windows 10: Abbildung 2: Traditioneller Deployment Ansatz vs. Agile Softwarentwicklung als Ansatz
Abbildung 2: Traditioneller Deployment Ansatz bei früheren Windows-Versionen im Vergleich zu Windows as a Service (Quelle: COMPAREX)

Im Gegensatz zum traditionellen Ansatz wird bei Windows as a Service ein agiles Modell der Softwareentwicklung verfolgt. Windows 10 bzw. Windows as a Service kann nicht als einmaliges Projekt mit Start und Zieldatum funktionieren, sondern setzt ein kontinuierliches Deployment und Wartung im Betrieb aus den oben genannten Gründen voraus. Darüber hinaus ist aufgrund der verkürzten Releasezyklen und Supportzeiträume nicht nur eine Windows-Version im Umlauf, sondern mehrere. Eine weitere Unterscheidung ist somit, dass der Testprozess von Betriebssystem und Applikationen nicht wie im Projektgeschäft einmalig abgeschlossen werden kann, sondern ein stetiger Testzyklus im Betrieb stattfinden muss.

Tipp: Lesen Sie auch: Lizenzierung von Windows 10 für Unternehmen und Windows 10 Upgrade für Unternehmen: So sollten Sie sich vorbereiten

Fazit: Was ist beim dynamischen Releasemodell von Windows 10 im Unternehmen zu beachten?

Aufgrund der verkürzten Release-Dauer kann Windows 10 nicht wie eine traditionelle Version behandelt werden. Die größte Herausforderung ist die Verlagerung des Projektgeschäftes in den Betrieb. Damit Ihnen dies gelingt, müssen Sie sich neue Rollen und Verantwortlichkeiten für den Windows-as-a-Service-Zyklus überlegen bzw. bestehende anpassen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Anpassung des Release-Modells. Es ist zukünftig nicht mehr möglich 100% der Anwendungslandschaft mit Testfällen auf jedem neuen Feature Release zu testen, bevor Sie es ausrollen. Demnach ist eine aktuelle (!) Applikationsliste inkl. Kritikalitätsbewertung und Ansprechpartnern von großer Wichtigkeit, um zu entscheiden, was in der Testumgebung und was reaktiv im Betrieb getestet wird.

Sobald Sie geeignete Rollen und Verantwortlichkeiten gefunden, neue Prozesse definiert und ein neues Releasemodell entwickelt haben, profitieren Sie von stetig neuen Sicherheitsfeatures und ersparen sich große, aufwendige Projekte, die viele Ressourcen binden.

Sie schaffen das nicht allein? Wir haben die richtigen Experten.

Unser Kompetenzteam „Microsoft Modern Workplace und Datacenter“ unterstützt Sie bei allen anfallenden Aufgaben und Fragen und das von der Vorbereitung über die Implementierung bis hin zu Schulungen. Sprechen Sie uns an!

Unsere Windows 10 Schulungen in der Übersicht

Noch ein wichtiger Hinweis:

Um die Umstellung auf das Windows as a Service Konzept zu erleichtern, hat Microsoft den Supportzeitraum für die Enterprise und Education Editionen 1607, 1703 und 1709 um sechs Monate verlängert. (Mehr Infos dazu bei Microsoft)

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[1] Neben dem Semi-Annual Channel gibt es auch noch den Long-Term Servicing Channel, der Spezialsysteme wie medizinische Geräte und Geldautomaten betrifft. Alle Empfehlungen in diesem Artikel beziehen sich auf klassische Office-Geräte, also den “Semi-Annual Channel”. Mehr zur Unterscheidung erfahren.

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Artikel vom:
22.02.2018

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Windows 10, Windows 7, Windows as a Service

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Kommentare

  • Nötzold kommentierte vor 3 Monaten
    Sehr geehrte Damen und Herren, warum wird nur ein englischsprachiges Video eingebettet? Wenn es wenigstens Untertitel in Deutsch gäbe... Worin besteht der Erfolgsfaktor für die Kunden von Microsoft, die Windows10 anwenden müssen, ihre Anwendungen evtl. über Nacht dann nicht mehr funktionieren? Für mein Verständnis ist ein Betriebssystem nur Mittel zum Zweck, die wirkliche "Geschäftssoftware" sind die Anwendungen!? Man kann bei diesem Konzept nicht von einer win-win-Situation sprechen - es gewinnt nur einer... Mit freundlichen Grüßen
  • Simon Mangeng kommentierte vor 3 Monaten
    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider steht uns im Moment kein ähnliches Video in Deutsch zur Verfügung. Sobald wir einen deutschsprachigen Ersatz haben, werden wir den Link hier ergänzen. Zunächst einmal gebe ich Ihnen Recht, das Betriebssystem ist gewissermaßen Mittel zum Zweck und Anwendungen haben Priorität. Den traditionellen Release-Rhythmus kann man jedoch nur schwer beibehalten, wenn man gleichzeitig erwartet stets für aktuelle Sicherheitsgefahren gewappnet zu sein. Das erfordert eine Anpassung der Kundenprozesse (im IT-Betrieb und eventuell in allgemeinen Betriebsprozessen) und ist sicherlich für viele eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Anwendungen über Nacht nicht mehr funktionieren, ist, sobald man auf Windows 10 gewechselt hat, sehr gering. Auch der Wechsel von einem Feature Update zum nächsten erfolgt nicht über Nacht, sondern sollte vorbereitet werden. Am besten fängt man daher mit dem Insider Preview an, sich einen Eindruck zu verschaffen. Sie sollten sich natürlich auch Rollback Szenarien überlegen, um eventuelle Inkompatibilitäten zu umgehen bzw. sich Zeit für Anpassungen einzuräumen. Inkompatibilität kann man sicherlich nicht ausschließen, aber unsere Kunden sind oftmals überrascht, wie wenig Probleme auftreten. Mit freundlichen Grüßen Simon Mangeng

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